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Personalmangel in der Gastronomie: Ursachen & Lösungen

Fachkräftemangel im Gastgewerbe: aktuelle Zahlen zu offenen Stellen und Abwanderung sowie konkrete Gegenmaßnahmen für Betriebe und Küchen.

Kaum eine Branche spürt den Fachkräftemangel so unmittelbar wie das Gastgewerbe. Wenn die Küche unterbesetzt ist, bleibt der Tisch am Freitagabend leer, das Menü wird gekürzt, und irgendwann schließt das Restaurant an zwei Tagen pro Woche ganz. Der Personalmangel in der Gastronomie ist längst kein saisonales Ärgernis mehr, sondern ein strukturelles Problem, das über Fortbestand oder Aufgabe eines Betriebs entscheidet.

Die Zahlen: Wie groß ist das Problem wirklich?

Das Gastgewerbe gehört zu den beschäftigungsintensivsten Branchen Deutschlands. Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) arbeiten über eine Million Menschen in Beherbergung und Gastronomie. Doch die Pandemie hat tiefe Spuren hinterlassen: Während der Lockdowns brachen Umsätze und Arbeitsplätze weg, und viele Beschäftigte orientierten sich beruflich neu.

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) beziffert die dauerhafte Abwanderung im Zuge der Corona-Jahre auf rund 65.000 Beschäftigte, die dem Gastgewerbe zwischen 2019 und 2022 den Rücken kehrten. Viele wechselten in Handel, Logistik oder Industrie, wo Arbeitszeiten planbarer und Löhne oft vergleichbar oder höher waren. Diese Fachkräfte kehren nicht automatisch zurück, sobald die Nachfrage wieder anzieht.

Der Engpass entsteht nicht am Gästetisch, sondern in der Küche. Wer keine Köche findet, kann noch so volle Reservierungsbücher haben.

Besonders betroffen sind qualifizierte Küchenkräfte. Offene Stellen für Köchinnen und Köche bleiben laut Erhebungen der Bundesagentur für Arbeit überdurchschnittlich lange unbesetzt. Der Kochberuf zählt seit Jahren zu den sogenannten Engpassberufen.

Warum die Gastronomie Personal verliert

Der Fachkräftemangel im Gastgewerbe hat nicht eine, sondern mehrere Ursachen, die sich gegenseitig verstärken:

  • Arbeitszeiten gegen den Takt der Gesellschaft: Abende, Wochenenden und Feiertage sind die Kernzeiten. Wer eine Familie gründet, empfindet das als kaum vereinbar.
  • Verdienststruktur: Trotz spürbarer Lohnsteigerungen der letzten Jahre gelten Einstiegsgehälter in Teilen der Branche weiterhin als niedrig im Vergleich zur Belastung.
  • Imageproblem der Ausbildung: Die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Kochberuf ist über Jahre gesunken. Weniger Nachwuchs bedeutet weniger Fachkräfte in fünf bis zehn Jahren.
  • Demografischer Wandel: Erfahrene Küchenchefs gehen in Rente, ohne dass genügend junge Kräfte nachrücken.
  • Corona als Beschleuniger: Die Pandemie hat keine neuen Probleme geschaffen, aber bestehende Schwächen schonungslos offengelegt und die Abwanderung beschleunigt.

Wichtig ist die Erkenntnis: Es handelt sich nicht um einen kurzfristigen Konjunktureffekt. Die strukturellen Ursachen bestehen fort, auch wenn sich einzelne Kennzahlen erholen.

Was Betriebe konkret tun können

Die gute Nachricht: Betriebe sind dem Mangel nicht hilflos ausgeliefert. Wer heute in Arbeitgeberattraktivität investiert, gewinnt im Wettbewerb um die besten Köche entscheidende Vorteile.

Arbeitsbedingungen als Wettbewerbsvorteil

Planbare Dienstpläne, verlässliche freie Wochenenden im Rotationsprinzip und die 4-Tage-Woche sind keine Utopie mehr. Betriebe, die solche Modelle erfolgreich einführen, berichten von deutlich sinkender Fluktuation. Ein digitales Dienstplan-Tool, das Wünsche berücksichtigt, kostet wenig und wirkt stark.

Faire und transparente Vergütung

Ein übertariflicher Lohn ist teuer, ein unbesetzter Küchenposten aber teurer. Wer rechnet, was ein wochenlang unbesetzter Chef-de-Partie-Posten an entgangenem Umsatz kostet, sieht Gehalt als Investition und nicht als Kostenblock. Zuschläge, Trinkgeldregelungen und Prämien sollten offen kommuniziert werden.

Ausbildung und Weiterbildung ernst nehmen

Wer selbst ausbildet, macht sich unabhängiger vom leergefegten Arbeitsmarkt. Übernahmegarantien, Aufstiegsperspektiven zum Sous-Chef und finanzierte Fortbildungen binden Nachwuchs langfristig.

Gezielte Personalgewinnung statt Gießkanne

Eine anonyme Stellenanzeige auf einem überfüllten Portal reicht heute nicht mehr. Erfolgreiche Betriebe setzen auf:

  1. Aktive Ansprache passender Kandidaten statt passivem Warten auf Bewerbungen.
  2. Spezialisierte Vermittlung, die Küchenprofile und Betriebskultur wirklich versteht.
  3. Schnelle Prozesse, denn gute Köche sind binnen Tagen wieder vom Markt.
  4. Ehrliche Stellenprofile, die Arbeitszeit, Lohn und Team klar benennen.

Genau hier setzt eine spezialisierte Personalvermittlung an: Sie kennt den Markt, verfügt über einen aktiven Pool an Küchenfachkräften und verkürzt die Zeit bis zur Besetzung erheblich.

Auch für Köche eine Chance

Der Mangel hat eine Kehrseite, die für Fachkräfte selten so günstig war. Wer als Koch, Sous-Chef oder Küchenchef heute den Arbeitgeber wechseln möchte, verhandelt aus einer starken Position. Bessere Arbeitszeiten, höhere Löhne und die Wahl des Betriebs mit der passenden Küche sind realistisch geworden. Wichtig ist, den Markt zu kennen und den eigenen Wert einschätzen zu können.

Fazit

Der Personalmangel in der Gastronomie ist real, tief verwurzelt und wird sich nicht von selbst auflösen. Corona war der Brandbeschleuniger, nicht die Ursache. Betriebe, die jetzt an Arbeitsbedingungen, Vergütung und einer professionellen Personalgewinnung arbeiten, verschaffen sich einen dauerhaften Vorsprung. Für Köchinnen und Köche wiederum bietet der angespannte Markt selten dagewesene Chancen. Wer beide Seiten zusammenbringt, löst nicht das Branchenproblem als Ganzes, aber sehr wohl das konkrete Problem am eigenen Herd.

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